[Versus] Courtney Allison Moulton – Angelfire 01
Courtney Allison Moultons “Angelfire – Meine Seele gehört dir” ist der Auftaktband zu einer YA-Trilogie, die viele begeisterte Rezensionen bekommen hat, bei denen aber durchaus auch kritische Einwände zu erkennen sind.
Und hier gleich ein kleine Warnung vorweg: Kaum zwei Menschen, oder auch Rezensenten, dürften unterschiedlicher sein als Schnee und Anke. In nur ganz wenigen Ausnahmen stimmt ihr Lesegeschmack überein; aber selbst dann betrachten sie die Dinge oft aus verschiedenen, sehr unterschiedlich kritischen Blickwinkeln.
Was jedoch noch wichtigster ist: Während Schnee eine wirklich begeisterte und sehr offene Viel-Leserin von YA-Romanen ist, liest Anke dieses Genre mit sehr viel mehr Zurückhaltung, Vorsicht und eben auch Skepsis.
Doch natürlich macht genau dies, die beiden auch zu sehr spannenden Rezensenten für” Versus”.
Schnee’s Einschätzung

„Angelfire“ war für mich ein richtiges Überraschungsbuch, denn oft ist es in den Büchern mit jugendlichen Protagonisten so, dass es um die erste Liebe geht und der weibliche Part ist dabei oft noch sehr mädchenhaft und geht nur sehr langsam aus sich heraus. Bei diesem Roman jedoch ist alles ein wenig anders.
An ihrem 17. Geburtstag begegnet Ellie einem jungen Mann, der ihr schon zuvor aufgefallen ist. Der durchaus attraktive Will erzählt ihr schier Unglaubliches. Ellie soll schon mehrere Male gelebt haben und immer am Tag ihres 17.Geburtstags bekommt sie besondere Kräfte, die sie gegen die dunklen Mächte einsetzen muss. Ellie hadert nicht lange und nimmt diese Herausforderung an, zwar ist sie ab und an genervt davon, ihre gesamte Freizeit nun beim Kampftraining zu verbringen, aber der anziehende Will versüßt ihr diese Aufgabe.
Ellie ist eine jugendliche Kick Ass- Heldin und wächst immer wieder weiter über sich hinaus. Die Entwicklung vom scheinbar normalen High School- Mädchen zur mutigen und schlagkräftigen Heldin war interessant zu beobachten. Ich mochte diesen Charakter auf Anhieb, sie ist kein All American Strahlemädchen, sondern eine junge Frau mit Ecken und Kanten, die mit Eltern gesegnet ist, die ich am liebsten immerzu geschüttelt hätte. Ellies Vater ist ein wahres Scheusal und ihre Mutter steht einfach nur daneben und schaut zu, wie ihr Mann absolut unwürdig mit Ellie umgeht. Oft hatte ich die Vermutung, dass Ellies Vater nicht er selbst ist und irgendein dunkler Dämon Besitz von ihm ergriffen hat, wer weiß…
Will bleibt noch ein bisschen geheimnisvoll, aber es wird deutlich, dass er ein treuer und loyaler Gefährte ist, der alles dafür tun würde um Ellie zu beschützen.
Wie der Name des Buchtitels schon verrät, geht es in diesem Roman um Engel. Aber keine Sorge, es ist kein 100. Engelroman nach Schema F. Die Autorin hat sich schon einiges einfallen lassen und gegen Ende hat sie noch einen richtigen Knaller in die Geschichte eingebaut. Was genau Will und Ellie sind, möchte ich an dieser Stelle nicht verraten. Das Stichwort „Engel“ ist ausreichend und verrät noch nicht zu viel.
Der temporeiche, flüssige Schreibstil der Autorin machte es mir leicht der Geschichte zu folgen und ich bin gespannt wie ein Flitzebogen, wie die weiteren Bücher dieser Reihe ausfallen werden.
Anke’s Einschätzung

Obwohl ich im Vorfeld sehr unterschiedliche Meinungen zu diesem Buch gefunden habe, schwang doch darin genug Begeisterung mit, um mich neugierig zu machen.
Letztendlich hat mich das Buch jedoch mit sehr gemischten Gefühlen zurückgelassen, die aus mehr Ernüchterung als Lob bestehen.
Schon der Erzählfluß hat mich in meiner Einschätzung hin und her gerissen: Einmal “kaute” ich ewig auf den Seiten rum, die mir wie eine emotionslose Aufzählung von Ereignissen und Begebenheiten vorkamen (Highschool, Partys, Shopping) und dann wieder flogen die Sätze beim Lesen nur so vorbei, wie z.B. bei den detaillierten Kampfszenen.
Diese kam mir mitunter ein wenig zu pathetisch vor und mit wenig originellen Klischees und Phrasenwiederholungen gefüllt, aber doch auch ansprechend und fesselnd zu lesen.
Ich habe lange überlegt um mir darüber klar zu werden; worin dieses Gefühls-Hin-und-Her wohl begründet liegen mag, was mich zwischen Langweile und Interesse schwanken ließ. Denn das bezog sich nicht nur auf den Erzählfluss, sondern auch auf die Handlung und die Charaktere.
Ich denke, dass in Courtney Allison Moultons Geschichte für mich nichts zusammenpasste, dass die Geschichte für mein Empfinden nicht harmonierte.
Da ist ein Teenager, der alles hat was er will und braucht, diesen Dingen aber nach meinem Empfinden viel zu gleichgültig gegenübersteht, der mit Begriffen wie BMW, Jimmy Choo oder Valentino nur so um sich wirft, dessen Welt lediglich Highschool, Party und Shopping bedeutet.
Und da ist eine mythische uralte Kämpferin, die über erstaunliche Macht verfügt und diese auch spielend zu nutzen weiß.
Ich konnte diese beiden Seiten nicht zusammenbringen, da sie sich für mich weder ergänzten, noch einen reizvollen Gegensatz gebildet haben. Sie waren einfach zwei Seiten einer Medaille, denen die Verbindung fehlt.
Eine Verbindung, die vielleicht mit Humor hätte überbrückt werden können – Humor den ich jedoch in der Geschichte nicht finden konnte.
Vielleicht lag es für mich auch an der gewählten Ich-Erzählform, deren Möglichkeiten verschenkt werden. Die Hauptprotagonistin Ellie schildert dem Leser ihre Welt nicht intensiv genug, um fesseln zu können, so dass weder sie, noch die anderen Figuren, mich für sich einnehmen konnten.
Es ist nicht so, dass sie mir unsympathisch gewesen wären oder dass mich ihr Verhalten gestört hätte – auf keinen Fall, sondern sie waren einfach zu nichtssagend.
“Angelfire – Meine Seele gehört dir” hat definitiv eine interessante Hintergrundgeschichte zu bieten und einige fantasievolle und überraschende Momente wobei diese sich mit actionreichen Szenen abwechseln. Dazu gibt es einen geheimnisvollen attraktiven Fremden, einen weißer Ritter in schimmernder Rüstung, der sich zum Schutz der holden Jungfrau auf der Stelle opfern würde und der die Heldin in eine beinahe schon mystische Liebesgeschichte zieht.
Für mich hat die Geschichte nicht funktioniert, doch das ist ein ganz persönlicher Eindruck.



