Dystopien
1984
Das Jahr „1984“ war bereits zum Greifen nahe, als wir in der Schule George Orwells gleichnamigen Roman lesen mussten.
Da man sich jedoch, schon aus Prinzip – auch ein Schüler hat seinen Stolz – nicht weiter als über den nächsten Deutschtest hinaus mit Schul-Literatur beschäftigt hat, hat mich das Buch und sein Inhalt damals nur am Rande berührt.
Viel intensiver habe ich den Film „Zurück ins 23. Jahrhundert (Logan’s Run)“, der ebenfalls um diese Zeit herum im TV gesendet wurde, in Erinnerung. Zwar lag für mich mein eigener 30. Geburtstag; der im Film den Zeitpunkt der Erneuerung (sprich den Tod) für die Protagonisten bringt; noch weit weg, so empfand ich doch diese Zukunftsvision als nachhaltig beängstigend – faszinierend und düster.
Damals war mir der Begriff „Dystopie“ noch nicht geläufig, der mich, wie ich nun rückblickend erkennen konnte, bis heute sehr oft als fesselndes Thema durch meine Film- und Buchauswahl begleitet hat.
Heute hat vor allem der Bereich der Young Adult Bücher dieses Thema für sich entdeckt und es gibt eine Reihe, auch für erwachsene Leser, hochspannende Neuerscheinungen.
Utopie und Dystopie
„Utopie“ (Bedeutung: „Nicht-Ort“) ist eine Wunschvorstellung in der Menschen ein alternatives (positives) Gesellschaftssystem leben. Zwar nutzt man im Sprachgebrauch den Begriff „Utopie“ als eine mögliche zukünftige Vision, doch kann eine Utopie jedoch auch gegenwartsbezogen sein.
Spielten im Jahr 1516, als der englische Staatsmann Thomas Morus sein „Utopia“ auf einer abgelegenen Insel beschrieb, negative Zukunftsvorstellungen noch keine Rolle, so änderten das die Krisen des Kapitalismus, die Gewaltherrschaft des Totalitarismus und das Grauen der Weltkriege, außerdem die Furcht vor atomaren und anderen Massenvernichtungswaffen oder Katastrophen im 19. und 20 Jahrhundert.
Klassische Utopien finden heute praktisch keinen Zugang mehr in die moderne Literatur, doch finden sie sich jedoch oft als Teilaspekte in der Science Fiction wieder.
Dennoch können (insbesondere) klassische Utopien nicht als Science Fiction gelten, da in solchen weder ein wissenschaftlicher, noch ein technischer Fortschritt eine Rolle spielt, sondern sie sich auf das Darstellen vollständiger Gesellschaftsentwürfe beziehen.
Während es heute schwierig erscheint, uns von einer Utopie einen kritischen Gesellschaftsspiegel vorhalten zu lassen, bieten „Dystopien (Bedeutung: „Un-Ort“) aber genau den richtigen Rahmen um auf bedenkliche Entwicklungen der Gegenwart aufmerksam zu machen.
Dystopien können sehr unterschiedliche Grundzutaten enthalten. Beispielsweise erzählen sie von Gesellschaften, die über das freie Denken, ja, die ganze Lebensweise ihrer Bürger, von der Auswahl des richtigen Genpols bis zum vorgegeben Zeitpunkt ihres Todes alles kontrollieren und regeln.
Systematischer Diskriminierung, z.B. in streng getrennte soziale Klassen, die Verbannung der natürlichen (biologischen) Umwelt aus dem Alltag oder staatliche Propaganda und ein Bildungssystem das auf jegliches Fehlen von kritikfördernder Bildung ausgelegt ist sind weitere Zutaten.
In Büchern oder Filmen wird einer Dystopie meist mit einer Vorgeschichte über Kriege, Aufstände oder Naturkatastrophen ausgeschmückt. Es kann ein Lebensstandard dargestellt sein, der ein wenig unterhalb der Realität des Lesers liegt, jedoch von ihm nachvollzogen werden kann.
Die Gesellschaftsordnung scheint nach außen hin perfekt und vielleicht sind manche utopischen Tendenzen nicht gänzlich negativ zu beurteilen und doch krankt das System. Hier ist es nun die Aufgabe des Protagonisten, der bewusst oder unbewusst, das System mit seinen Entscheidungen und seinem Handeln hinterfragt.
In Dystopischen Fiktionen scheitern oft (aber nicht immer) die Bemühungen der Protagonisten und sie fügen sich letztendlich den gesellschaftlichen Normen. Dennoch kann uns ein Buch, das sich mit einer Dystopie befasst, auch zufrieden entlassen. Hier ist vielleicht nicht immer das ultimative Happy End zu erwarten, doch zumindest steht am Ende die Hoffnung.
Neben den eingangs erwähnten Geschichten gibt es eine Reihe Bücher und Filme die sich mit Dystopien befassen. Allerdings verschwimmen hier die Genres stark, so dass sich in den folgenden Buch- und Film-Tipps, ebenso Cyperpunk und postapokalyptische Szenarien, auch Science Fiction oder Fantasy befinden. Die genannten Titel werden jedoch alle als dystopisch angesehen, da sie mindestens ein, oder mehrere, typischen Merkmale besitzen.
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Eine kleine Auswahl an Buch, Comic und Film Tipps
Quellennachweis
















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